Zukunft Ziegel im Wohnungsbau

Interview anlässlich der Informationsgespräche der BAU 2017.

Bild: Dipl.-Ing. Hans R. Peters, Geschäftsführer von Mein Ziegelhaus. Foto: Mein Ziegelhaus

Dipl.-Ing. Hans R. Peters, Geschäftsführer von Mein Ziegelhaus, im Gespräch über die Entwicklung des Baustoffs Ziegel, die Aufgaben der Ziegelproduzenten und die Erwartungen an die BAU.

Die Baubranche boomt und freut sich über eine anhaltend hohe Nachfrage. Wie stark können die mittelständischen Ziegelwerke davon profitieren?

Peters: „Insbesondere die Zunahme von Mehrfamilienhäusern sorgt für eine erhöhte Nachfrage nach Ziegeln, da diese den Fächer der unterschiedlichsten Anforderungen von der Statik bis zum Wärme-, Schall- und Brandschutz derzeit am besten bedienen. Allerdings merken wir auch, dass die Anforderungen an vertiefende Informationen gerade für die Planungsphase deutlich zugenommen haben. Dies nehmen wir aktuell auf, um unser Informationsangebot nochmals zu verbessern.“

Auch Baukosten steigen, aber gerade die Wandbaustoff-Hersteller beklagen einen gewissen Preisdruck? Ist das nicht ein Widerspruch?

Peters: „Es hört sich paradox an, ist aber Wirklichkeit. Entscheidend in Bezug auf die gestiegenen Baukosten ist natürlich, dass die Nebenkosten für Fachingenieurleistungen überdurchschnittlich gestiegen sind, insbesondere aber die Kosten für die Haus- und Heizungstechnik. Dies ist auch ein wesentliches Ergebnis der Baukostensenkungs-Kommission. Der Wandbaustoff Ziegel ist dagegen seit Jahren preisstabil, bezogen auf seine Leistungsfähigkeit sogar preisgünstiger geworden. Unsere Investitionen in die Produktentwicklung können wir in der Tat aufgrund des großen Wettbewerbsdrucks – auch durch andere Konstruktionsarten – nicht an den Markt weitergegeben. Diese Situation werden wir vor den anstehenden Aufgaben, insbesondere vor dem Hintergrund der Anforderungen an die Energieeinsparungen, nicht auf Dauer halten können.“

Die immer neuen Anforderungen der EnEV an den Ziegel bringen ihn an seine Leistungsgrenzen. Ist das Ende der Fahnenstange erreicht?

Peters: „Nein, Gott sei Dank noch nicht. Der Ziegel ist heute ein High-Tech Produkt. Wir werden es in den Einzeldisziplinen zwar nur noch marginal verbessern können, aber vor dem Hintergrund der Bauaufgabe – dem Wohnungsbau und nicht dem Bau von Wolkenkratzern oder Multifunktionsarenen – ist das Zusammenwirken aller Leistungsmerkmale entscheidend. Diesbezüglich haben wir noch Potenzial. Auf dem Weg zum Nullenergiegebäude ist es entscheidend, das Zusammenspiel von Gebäudehülle und -technik zu optimieren. Dafür haben wir beispielsweise mit den Faktoren einer hervorragenden Wärmedämmung und -speicherung massive Vorteile.“

Warum konnte die Außenwand im Vergleich zur Haus- und Heiztechnik, Dämmung, Fenstern und Türen ihren Stellenwert in den vergangenen Jahren nicht ausreichend verdeutlichen?

Peters: „Eine interessante Frage; in der Tat ist der Ziegel wie eh und je in vielen Bereichen des Wohnungsbaus marktführender Wandbaustoff – mit sogar leicht zunehmender Tendenz – aber in den Medien wird meist über Haustechnik und Smart Home berichtet. Die digitale Umgestaltung unserer Erlebniswelt ist en vogue. Die Ziegelwand braucht ganz einfach kein App – sie funktioniert von alleine – sommers wie winters, jahraus und jahrein. Das genauso bis zum Plus-Energie-Haus beizubehalten ist unser Ziel.“

Trotz vieler bauphysikalischer und ökologischer Vorteile werden Mauerziegeln im Wohnungsbau vor allem von Investoren Nachteile nachgesagt – zum einen in Sachen Bauzeit und den damit verbundenen Baukosten, zum anderen wegen der geringeren Flächenerträge durch weniger schlanke Außenwände. Mit welchen Konzepten können die Ziegler hier gegensteuern?

Peters: „Auch diesbezüglich stellen wir eine Diskrepanz fest. Während immer mehr Investoren die massive Ziegelbauweise bevorzugen, werden diese Vorurteile wieder zu Unrecht geschürt. Ein Nebenergebnis der Baukostensenkungskommission hat eindeutig belegt, dass die massive Außenwand die kostengünstigste Variante ist. Betrachtet man den Erhaltungsaufwand über die Lebensdauer, wird sie nochmals günstiger. Auch die Unterstellungen in Bezug auf die Bauzeit oder die Wanddicke sind widerlegt. Ohne Frage sind monolithische Ziegelwände zurzeit die optimale Lösung für den Wohnungsbau – vom Einfamilienhaus bis zum Mehrgeschosser.“

Die junge Generation Architekten befasst sich kaum noch mit Mauerwerk. Warum?

Peters: „Dies ist eine vergleichbare Situation wie bei „Smart Home“. Die Ziegelwand funktioniert und die technischen Funktionalitäten sowie dazu notwendige Detailkenntnisse vermittelt die Industrie berufsbegleitend. Dem gegenüber beschäftigen sich junge Architekten und Ingenieure – notgedrungen – mit komplexen und komplizierten Lösungen. Dies gilt – durchaus auftragsgemäß – auch für die Hochschulen. Darüber hinaus stößt die Ziegelindustrie in Segmente vor, in denen sie bisher wenig präsent war. Im Zuge dessen haben zwar viele Planer und Bauausführende den Ziegel als einen sehr guten Baustoff wiederentdeckt. Es kommt aber trotzdem vor, dass Architekten, Statiker oder Bauphysiker selten oder noch gar nicht mit Ziegeln gearbeitet haben, weil ihnen nicht klar ist, dass alle gesetzlichen Vorgaben mit Ziegeln erfüllt werden können.“

Was unternimmt ein Verbund wie Mein Ziegelhaus, um dieses verloren gegangene Wissen zu vermitteln und diese Zielgruppe wiederzugewinnen?

Peters: „Wichtig ist es, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch darüber zu sprechen. Wir verstärken daher unser Engagement in Aus- und Weiterbildung. Das Ziegel Zentrum Süd betreibt aktive Hochschularbeit und wir bieten zahlreiche Fachveranstaltungen bis zu den Mauerwerkstagen in den wichtigen Regionen Deutschlands an. Darüber hinaus stellen wir Fachbroschüren und aktuelle Bauphysik-Programme größtenteils kostenlos zur Verfügung.“

Mein Ziegelhaus ist auch 2017 auf der BAU vertreten. Was erwartet die Fachbesucher?

Peters: „Die BAU ist für uns die wichtigste Plattform in Sachen Kundenbindung und -akquise. Traditionell stellen wir dann verbesserte sowie neue Produkte vor, ebenso die aktuelle Palette unserer kommunikationstechnischen Hilfsmittel – von der Fachbroschüre bis zum Berechnungsprogramm. Das werden wir auch 2017 so machen. Ich kann alle nur einladen vorbeizukommen und sich von der Leistungsfähigkeit moderner Ziegel zu überzeugen.“

 

 

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